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3 Wochen her

Vereinigung der Traditionsregimenter Oberösterreichs und Salzburgs

„Man lebt sich ganz in das Elend hinein, man meint, es müsse so sein, der Mann gehöre fort, das Weib müsse sich schinden und plagen, müsse die Kinder allein großziehen, darf dem Mann nur schreiben und Pakete schicken.“(von einem Heimatweib aus dem Allgäu)DER ERSTE WELTKRIEG UND DIE SEXUALITÄTDie Männer wurden an die Front berufen, getrennt von Weib und Kind. Diese Separation hatte mitunter schwerwiegende Folgen für die Familie und vor allem für das Vaterland.Der Krieg per se wirkte fast als Katalysator im Hinblick auf die gelebte Sexualität und führte zu einer verstärkten Politisierung des Sexuallebens. Die damit im Zusammenhang stehende Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten stellte eine Gefahr für die Kampfkraft der Soldaten dar, weshalb ihre Eindämmung zum nationalen Anliegen avancierte. Sohin rückte das Sexualverhalten ins Zentrum militärischen Interesses.Als mögliche Lösungsversuche wurden - die Reglementierung der Prostitution (dazu wird in einem gesonderten Beitrag zu lesen sein), - die Ermunterung zur Enthaltsamkeit sowie - die Verwendung von Verhütungs- und Schutzmitteln diskutiert und darüber gilt es zu berichten:„Am Anfang widerstehe“ lautete der Leitsatz eines vom Statthalter für Tirol und Vorarlberg verteilten Merkblattes. Dieses sollte die Soldaten darüber informieren, dass „Enthaltsamkeit im geschlechtlichen Verkehr nach dem übereinstimmenden Urteil der Ärzte im Gegensatz zu einem vielverbreiteten Vorurteil nicht gesundheitsschädlich“ sei.Im Vordergrund stand weniger die Moral. Es galt ausschließlich die Kampfkraft der Armee zu sichern und deshalb musste ein Ansteigen von venerischen Infektionen verhindert werden. Nun kam jedoch die Doppelmoral ins Spiel.Während man die (Krieger-)Frauen in der Heimat zu sexueller Treue und Enthaltsamkeit anhielt, um die Stimmung an der Front nicht zu gefährden, wurde die sexuelle Freizügigkeit der Soldaten akzeptiert.In der Frage nach den Auswirkungen sexueller Abstinenz auf die Gesundheit der Soldaten, drifteten die Expertenmeinungen stark auseinander. Die Befriedigung des Sexualtriebes, so argumentierte die eine Seite der Ärzteschaft, würde eine wesentliche Bedingung für die Gesundheit des Menschen darstellen. Ihre Gegner gingen hingegen davon aus, dass sexuelle Enthaltsamkeit keine gesundheitlichen Schäden nach sich ziehen und ein ideales Mittel zur Eindämmung von Geschlechtskrankheiten darstellen würde.Sohin riefen manche Offiziere zur Enthaltsamkeit auf und kämpften um die Erhaltung der sexuellen Moral, während andere aktiv darum bemüht waren, heterosexuelle Kontaktmöglichkeiten für Soldaten zu schaffen.Wie man in den Feldakten des Kommandos der Südwestfront der österreichisch-ungarischen Armee lesen konnte, wurde die männliche Sexualität als ein naturgegebener Trieb angesehen:„Die Erfahrung hat gelehrt, dass die Nervenanspannung und physische Beanspruchung des Mannes in der Front in einem gewissen Zusammenhang mit dem gesteigerten sexuellen Bedürfnis steht und dass der Macht dieses elementaren Triebes gegenüber die Hemmungen sittlich-religiöser Art vielfach versagen.“Wie konnte man(n) dem gerecht werden?Einerseits wollte man den sexuellen Bedürfnissen der Soldaten entgegenkommen, andererseits eine Verbreitung von Geschlechtskrankheiten verhindern. Alleine in der Garnison Innsbruck/Hall stieg die Zahl der mit Tripper und Syphilis infizierten Militärpersonen während des Krieges deutlich an. Im Jahr 1909 waren nur 34 Soldaten an Tripper und weitere 24 an Syphilis erkrankt, 1915 wurden bereits 1.691 Tripper- Erkrankungen und 1.007 Syphilis-Infektionen verzeichnet. In den ersten drei Kriegsjahren erkrankten insgesamt 1,275.000 Soldaten der k. u. k. Armee an einer Geschlechtskrankheit. Der Großteil der Soldaten infizierte sich jedoch nicht an der Front, sondern im Hinterland oder während der tagelangen Märsche in den Frontbereich.Es wurde sogar ein Behandlungsverbot durch Zivilärzte ausgesprochen, um die Verbreitung venerischer Krankheiten innerhalb der Armee kontrollieren zu können und derer Eindämmung Herr zu werden. Hinzu kam die Anzeigepflicht für solche Krankheiten, der die zuständigen Ärzte jedoch nur unzureichend nachkamen. Ab Juli 1916 wurden seitens der Militärbehörden die genaue Auflistung der infizierten Militärs und die Protokollierung ihrer Behandlung gefordert.Eine weitere Maßnahme bestand in den regelmäßigen Inspektionen der Truppe, umgangssprachlich auch als „Schwanzparade“ bezeichnet. Der Militärarzt untersuchte dabei vor versammelter Mannschaft die Genitalien jedes einzelnen Soldaten auf Symptome einer venerischen Erkrankung. Außerdem sollten Urlaubsanträge von Soldaten, die an einer Geschlechtskrankheit litten, zurückgestellt werden, um deren Verbreitung im Hinterland einzudämmen.Verschiedene Vertreter der Ärzteschaft zweifelten jedoch an der Wirksamkeit der militärischen Zwangsmaßnahmen. In einem Schreiben des Vereins der Ärzte Deutschtirols vom Oktober 1915 heißt es:„Es sind heute sämtliche Fachleute der festen Überzeugung, dass die Verbreitung der Geschlechtskrankheiten durch scharfe polizeiliche Maßregeln nicht verhindert, sondern im Gegenteil nur begünstigt wird und dass die einzig richtige Bekämpfungsmethode der Geschlechtskrankheiten darin besteht, allen Kranken die ärztliche Behandlung bis zu ihrer Heilung möglichst leicht zugänglich zu machen. Die Anwendung der Polizeigewalt im Kampfe gegen die Geschlechtskrankheiten hat immer nur dazu geführt, dass diese Krankheiten noch weit mehr verheimlicht werden, als dies sonst geschieht. Wenn die Ärzte genötigt sind, solche Krankheiten anzuzeigen, dann gehen die Kranken überhaupt nicht zum Arzte, verzögern dadurch ihre eigene Heilung und gefährden andere Menschen durch die Möglichkeit der Ansteckung.“Das sogenannte Prostitutionsregulativ der Südwestfront ging noch einen Schritt weiter und appellierte an das Pflichtgefühl der österreichisch-ungarischen Soldaten: „Da ihr den Krieg in die feindlichen Länder getragen habt, erstehen euch auch in den Frauen und Mädchen feindliche Kämpfer, die euch mit lächelnden Mienen Gesundheit und Kraft nehmen. Wenn ihr euch ansteckt, betrügt ihr nicht nur euer Vaterland um eure Kraft, sondern auch die Lieben daheim – und in der Heimat, in der Heimat, da gibt es ein Wiedersehn!“Die Verteilung von Schutzmitteln wurde als wichtige Maßnahme im Kampf gegen venerische Erkrankungen angesehen. Die österreichisch-ungarischen Soldaten wurden durch die Militärverwaltung mit sogenannten „Viro-Päckchen“ ausgestattet. Dabei handelte es sich um ein „Schutzbesteck“, bestehend aus Vaseline, Kondomen und einer antiseptischen Lösung oder Seife. Außerdem war eine Protargollösung enthalten, die zur Desinfektion in die Harnröhre eingeträufelt werden musste. Laut Angaben der Wiener medizinischen Wochenschrift trug diese Maßnahme wesentlich zum Rückgang der Geschlechtskrankheiten gegen Ende des Krieges bei.Die unterschiedlichen Methoden, die innerhalb der k. u. k. Armee zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten angewandt wurden, sei es durch präventive Folgenaufklärung, Anzeige bzw. Meldung, dem Aufruf zum Treueeid, Strafen als Sanktion, usw., zeigten letztlich ihre Wirkung. Während 1915 noch 12,2 % der österreichisch-ungarischen Soldaten an einer Geschlechtskrankheit litten, konnte deren Zahl bereits 1916 auf 6,4 % gesenkt werden.(Quellen: Alfred Blaschko: „Hygiene der Geschlechtskrankheiten“, Artikel in einer Fachpublikation, 1918; „Trennung der Ehepaare und sexuelle Mobilität im Ersten Weltkrieg“, Michaela Scharf; „Geschlechtskrankheiten und deren Bekämpfung in der k. u. k. Armee“, Michaela Scharf; „Regulierung des Sexualverhaltens von Soldaten im Ersten Weltkrieg“, Michaela Scharf; ww1.habsburger.net; Aktenstücke aus dem Kriegsarchiv)(Redakteur: Helene Schnöll) ... See MoreSee Less

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Vereinigung der Traditionsregimenter Oberösterreichs und Salzburgs

Einladung zum 210. Regimentsgedenktag auf Schloss Cumberland Freitag, 5. Juli 2019 um 19:00 Uhr.Das K.u.K. Infanterieregiment Nr.42 freut sich über euer kommen. ... See MoreSee Less

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